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Schloß Eggersberg
Ein Bericht von Michael Höllen www.stillcollins-fans.de - hoellen@web.de
Virtuosen auf dem Dachboden
Ende Mai - ich konnte es zunächst kaum glauben - erhielt ich per Mail die erfreuliche Nachricht: "Ich bin bei der Special Show 2005 dabei". Ritchie Blackmore bzw. Blackmore's Night einmal in kleinem Rahmen erleben zu dürfen ist ein Wunsch, den ich schon seit Jahren mit mir herumtrage. Bereits im September 1976 habe ich Ritchie mit Rainbow auf der Bühne erlebt. Seither begleiten mich seine unterschiedlichen musikalischen Richtungswechsel. Rainbow, Deep Purple und wieder Rainbow und nun - Blackmore's Night. Auch in dieser Konstellation habe ich nun schon mehrfach Konzerte erlebt. Seit meinem Konzertbesuch in Arnsberg im Sommer 2004 stand für mich fest: bei der Tour 2005 möchte ich bei mehreren Konzerten dabei sein! Dass dies aber zusätzlich eine Special Show sein würde - das hätte ich nicht zu hoffen gewagt. Vor der Special Show auf Schloß Eggersberg liegen drei wunderbare Konzerte der 2005er Tour hinter mir und es kommt mir noch immer vor wie ein Traum. Ich bin tatsächlich auf dem Weg zu einem Fan-Special mit Blackmore's Night? Unglaublich! Ich freue mich auch auf das Wiedersehen mit vielen netten Menschen, die ich in diesem Jahr bei den Konzerten getroffen habe. Es ist schon toll, dass mich Evi und Thomas von Regensburg abholen und auch die Fahrgelegenheit vom Hotel in Riedenburg zum Schloss Eggersberg ist einfach da - DANKE ! Schloß Eggersberg liegt zwischen den kleinen Orten Untereggersberg und Obereggersberg unweit vom Main-Donau-Kanal in absolut ruhiger Lage. Durch einen Torbogen betreten wir den Innenhof. Wir hatten gehört, dass das Konzert Indoor stattfinden wird (gut so - auf der Zugspitze hat es in der Nacht 25 cm geschneit - mitten im August !). Schnell finden wir den Zugang zu einem großen altertümlichen Raum mit schönen Rundbögen. Hier wird für die etwa 120 Gäste zunächst ein Essen serviert. Es ist hübsch anzusehen: die mittelalterlichen Kostüme, die glänzenden Augen, die Freude über ein Wiedersehen, das gute Essen, die Vorfreude auf einen besonderen Abend! Nach dem Abendessen macht sich schnell etwas Unruhe in den gemütlichen Reihen breit - wo findet das Konzert statt? Lohnt es sich, an der Treppe anzustehen um einen guten Platz zu ergattern ? Kurz vor 21 Uhr stehen dann auch die ersten Fans an der Treppe zum Obergeschoß an und schnell werden es mehr. Dann die Nachricht - der Eingang ist auf der anderen Seite des Hofes - tja, die Menge bewegt sich nun in die Gegenrichtung und die Ersten sind nun die Letzten - so ist das Leben ;-) . Eine genaue Uhrzeit zum Beginn der Veranstaltung war nicht bekannt und so warteten wir doch noch eine Weile, bis endlich die Türe geöffnet wurde. Wir betreten einen nett hergerichteten großzügigen Flur des alten Anwesens. Eine steile Treppe führt nach oben - dort werden die Taschen und Jacken kontrolliert. Es geht weiter - eine enge und steile Wendeltreppe windet sich weiter nach oben. Eine Person ist einzig dafür abgestellt, vor einer 'gemeinen Engstelle in Kopfhöhe' zu warnen - Glück gehabt ! Vorbei an der zweiten Etage geht es offensichtlich nach oben bis unters Dach - angekommen. In dem dunklen rot/gelben Licht sind 10 bis 12 Reihen alter Kinositze zu erkennen. Ganz vorne - auf gleicher Ebene mit den Sitzreihen - stehen Instrumente und einige Stühle - die Bühne. Der Raum füllt sich sehr schnell und es wirkt fast schon eng - wie in einem vollen Kino eben. Die ersten beiden Reihen sind vorab reserviert, die nächsten Reihen dahinter schnell mit Jacken und Taschen belegt - mir bleibt ein Platz in der achten Reihe - nun gut - ich bin dabei - und nur das zählt für mich in diesem Moment. Als Vorgruppe stellte sich 'own 5' vor - auf der CD lese ich später die richtige Schreibweise - Owain Phyfe. Er begleitet sich mit der Gitarre zu 'ancient Songs and Dances'. Die One-Man-Show lässt mit traditioneller Folklore aus England, Irland und der Ukraine das Warten auf den Top-Act des Abends kurzweilig werden. Bevor nun Blackmore's Night auf die Bühne kommt, gibt es eine kurze Pause - also Wendeltreppe wieder ganz nach unten und anschließend wieder zurück - spannender geht's nun wirklich nicht :-) Es ist soweit - das ohnehin spärliche gelb/rote Licht wird noch etwas heruntergefahren. Die Minstrels von Blackmore's Night kommen auf die Bühne und 'Shadow of the Moon' ist der erste Song des Abends. Ritchie greift gleich zu Beginn mit einem kurzen Solo voll in die Saiten - wow ! Die Band spielt sehr leise und zurückhaltend. Malcolm Dick muß heute ohne komplettes Schlagzeug den Takt angeben. Mit zwei kleinen Congas/Bongos und einigen Hand-Shakern galt es für ihn, den Abend zu begleiten - grandios, was er aus der minimalen Ausstattung herausholen konnte. Ebenfalls leise Begleitung vom Keyboard und auch Ritchie war zu Beginn nur sehr leise zu vernehmen. Bereits bei dem ersten Song überzeugte Candice mit einer wunderbaren und glockenklaren Stimme - phantastisch !!! Es folgt Avalon von der zweiten BN-CD. Nach dem Song plaudert die Band locker und ausgelassen eine ganze Weile. Damit kommt die Wohnzimmer-Atmosphäre auch im Publikum an - solche Dialoge sind bei einem normalen Konzert einfach undenkbar. 'Bob möchte eine Haarsalon eröffnen" witzelt Candice und im Publikum findet sich ein Doppelgänger, der Bob auf der Bühne ersetzen könne. Heiter geht es mit 'Play Minstrel Play' auch im musikalischen Porgramm weiter. Ein leises Keyboard- und Geigensolo geben dem Stück eine ganz besondere Note. Das Publikum unterstützt Malcolm tatkräftig und klatscht den Takt im flotten Teil wie selbstverständlich mit. Der Dachboden beginnt zu vibrieren! Mit 'Morning Star' folgt nun der schwungvolle Opener der 2005er-Tour. Keine Frage - auch in dieser leisen Runde kommt das 'hey' ungefragt aus den Reihen des Publikums. Ritchies Gitarre ist nun etwas lauter zu vernehmen - es ist genial, welche Töne er bei der Begleitung des Songs aus dem Instrument hervorzaubert. Auf dem Dachboden stand sicher eine Truhe gefüllt mit alten Schätzen herum. Aus dieser wurde dann wohl auch 'Temple of the King' zur Freude aller Rainbow-Fans hervorgekramt. Candice gibt diesem Song mit ihrer Stimme eine wundervolle Nuance. Perfekt. Etwas überrascht wirkt Bard David, der von Ritchie um ein Orgel-Solo gebeten wird. Auch er interpretiert den Song in eigener, virtuoser Weise. Ritchie ist ganz angetan von dem Zauber der Melodie und es scheint (ich bin fast sicher), als hätte er seinen eigenen Song in dieser Version sehr genossen. 'Durch den Wald zum Bach Haus' - ein instrumentales Stück, das immer wieder einlädt, Ritchie bei seinem Spiel zu bewundern. Tudor Rose spielt das obligatorische Solo auf der Violine perfekt und bindet Ritchie zum Ende des Songs wieder ins Finale ein. Ritchie entscheidet: nun folgt ein Keyboard- und Geigensolo. Bard beginnt sein Spiel und nach und nach verlassen die anderen Minstrel die Bühne, lediglich Tudor Rose nimmt die Melodie auf und es folgt ein wechselseitiges Spiel mit den Melodien. Danach: noch ein Griff in die Schatztruhe - sehr leise und gefühlvoll wird nun 'Soldiers of Fortune' serviert. Wieder ein Song aus dem alten Jahrtausend - für die Ewigkeit geschrieben ! Meister Blackmore zeigt zum Ende des Songs wie man es macht - mit nur drei Zupfern an den Saiten ist der Song auf absolut geniale Weise EINFACH zu Ende. Bard David hat ein kleines Problem an seinem Tasteninstrument - er zeigt einen Adapter (oder war es ein Fußpedal?) mit breitem Grinsen einem Fan aus Italien und liest dabei die Aufschrift vor: "Made in Italy" - der Lacher ist ihm sicher. Es folgt eine längere Geschichte zum nächsten Song, der mit leisen Percussion beginnt: 'Catherine Howard's Fate' steht auf dem Programm, gefolgt von Wind in the Willows - dieser Song ist immer einer der Höhepunkte jeder Show - alle singen mit - einfach wunderbar. Nach einem kleinen, von Ritchie initiierten Buchstabenspiel folgt nun mit 'Streets of London' ein Cover-Song. Ganz besonders hat mir Candice' Stimme imponiert. Sie gab dem Song eine individuelle Ausstrahlung. Ich hoffe sehr, dass der Song auf der für Herbst angekündigten CD mit dabei sein wird. Die Überleitung zum nächsten Stück - wieder gelungen: Ritchie fragt in die Runde, was denn "it's your turn now' auf deutsch heisst - dabei spricht er einen Fan aus Holland an - die Antwort kam natürlich auf holländisch. 'Under a violet Moon' wird aber anschließend von jedem hier verstanden. Der Song wird von einem wunderbaren Gitarrenpart begleitet und für die eher gedämpften Soundverhältnisse endet der Song mit einem recht kräftigen Kirchenorgelsound. Wer die neue DVD kennt weiß, welchen irren Part Ritchie bei 'Queen for a day - Part I & II' spielt - so auch an diesem Abend - Einfach umwerfend ! Schlag auf Schlag geht es weiter mit 'Past times with good company' und einem spanisch angehauchten 'Minstrel Hall'. Der nächste Song war wohl vorher nicht abgesprochen. Die Sisters of Moon schienen überrascht, in diesem Rahmen bei 'Child in Time' Ian Gillan vertreten zu müssen. Wie auch bei den bisherigen Konzerten setzen Madeline und Nancy bei diesem Weltsong eigene Akzente. Auch bei der nächsten Darbietung werden die Posner-Sisters gefordert. Die beiden Ladies präsentieren 'Domes pais' - a capella der Sisters of the Moon vom Feinsten. In kompletter Besetzung geht es weiter mit 'Renaissance Faire' - dabei hält es keinen Fan mehr auf dem Kinosessel. Es ist schon erstaunlich, wie auch ein solches Ambiente zum Mitswingen einladen kann. Wie auch in den früheren Jahren, lebt ein Konzert mit Ritchie Blackmore von Kontrasten - so geht es sehr leise mit 'Wish you were here' weiter. Schade, dass man diesen Song immer nur von anderen Interpreten im Radio hört. Es folgen 'Ocean Gipsy', 'First of May' und eine kurze Version von 'Sake of Song'. Bei dieser Fülle von Songs rechne ich nun langsam mit dem Ende der Show. Aber die Minstrel von Blackmore's Night sind nicht zu bremsen. Mit 'Ghost of a Rose' folgt ein Klassiker der Band - ebenso wie 'Fires at Midnight'. Bei diesem Song zieht Ritchie alle Register und begeistert seine Fans mit einem ca. 10-minütigen Solo. Das Solo ist auch ein würdiger Abschluß für ein rundum gelungenes Hauptprogramm. Und die Zugabe(n) ? Auch in diesem Punkt lässt sich die Band an diesem Abend treiben; gar zwei Zugaben sind für die Ohren der Fans bestimmt! Zugabe 1 beginnt mit "Way to Mandalay" - die Sisters of Moon haben hier einen herausragenden Einsatz. Weiter gehts mit 'I still remember' - an diesen Abend werde ich mich jedenfalls noch sehr lange erinnern! 'The times they are changin' ist auf Nummer drei gesetzt und mit zwei weiteren Cover-Titeln ('Mr. Tambourineman' und 'A whiter shade of pale') gibt es noch zwei Leckerbissen in Neuauflage - ganz im BN-Stil. Es ist zwischenzeitlich deutlich nach 1 Uhr und noch immer fordern die Rufe nach einer weiteren Zugabe. Die Band kommt tatsächlich erneut auf die Bühne und mit 'Old Mill Inn' (zu hören als Hintergrundmusik unter: http://www.theoldmillinn.net/blackmore.htm ) und dem Klassiker 'Now and then' des Albums Under a vilot Moon ist der Abend dann gegen 1:30 nach insgesamt über drei Stunden Blackmore's Night (leider) zu Ende. Anschließend treffen sich die meisten Fans noch auf ein Glas in der Gaststube. Leider schauen nur noch Bob Curiano und Malclom Dick auf einen Drink und Schwatz mit Fans vorbei. Schade! Sicher haben einige Fans gehofft, noch einen Blick oder ein Foto mit Candice, Ritchie und der Band zu erhaschen. Na, man kann eben nicht alles haben ;-) Die wunderbare Stimme von Candice, die virtuosen Saiten-Zaubereien von Ritchie sowie das perfekte Zusammenspiel der anderen Bandmitglieder am heutigen Abend setzen einen wunderbaren Schlußakzent unter die Deutschlandtour 2005. Dieser Abend wird sicher allen in bester Erinnerung bleiben. Ich jedenfalls möchte auf der BN Tour in 2006 wieder dabei sein. Bis dahin bleibt die Vorfreude auf die neue CD, die Repeat-Funktion des DVD-Players mit der aktuellen DVD 'Castles and Dreams' und die Erinnerung an die Konzerte 2005 und diesen wundervollen Abend auf Schloss Eggersberg.
Showtime: 3 Stunden
Setlist:
Shadow of the Moon Avalon Play Minstrel, Play Morning Star Temple of the King Durch den Wald zum Bach Haus + Violine-solo Orgel-/Geigenssolo Soldier of Fortune Catherine Howard's Fate Wind in the Willows Streets of London Under a violet Moon Queen for a day Part I & II Past times with good company Minstrel hall Child in Time Domes pais - a capella Sisters of the Moon Renaissance Faire Wish you were here Ocean Gypsy First of May Sake of Song (kurz) Ghost of a Rose Fires at Midnight + mehr als 10 min. Solo von Ritchie
Zugabe 1: Way to Mandalay I still remember The times they are changin Mr. Tambourineman A whiter shade of pale
Zugabe 2: Old Mill Inn Now and then
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